Gulp-Feeding bei Furchenwalen: Wie sich die grössten Tiere der Welt von Kleinstlebewesen ernähren.
- rooslidebora
- 4. Jan.
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Furchenwale (Balaenopteridae) sind die grösste Familie der Bartenwale (Mysticeti). Zu ihnen gehören unter anderem der charismatische Buckelwal (Megaptera novaengliae), der erst kürzlich (2021) als eigene Art anerkannte Rice-Brydeswal (Balaenoptera ricei) und das grösste Tier, das je auf unserem Planeten gelebt hat: Der Majestätische Blauwal: (Balaenoptera musculus).
Letzterer kann bis über 150 Tonnen schwer und bis zu 33 Meter lang werden. Und trotzdem ernähren sich alle Furchenwalen von ausschliesslich von Zooplankton und kleinen Fischen. Besonders die Blauwale haben sich auf einen einzigen Beutetyp spezialisert: Krill.
Doch wie schaffen es so riesige Tiere, sich von etwas so Winzigem zu ernähren? Ganz einfach: Sie brauchen eine ganz grosse Menge davon. Dafür müssen sie riesige Schlucke voll Wasser mit Krill aufnehmen können. (Gulp-Feeding). Dazu waren einzigartige Anpassungen nötig:
1.) Flexible Unterkiefer
Da die Unterkiefer bei Bartenwalen, anders als bei anderen Säugetieren, am Kinn nicht durch Knochen, sondern durch Knorbelgewebe verbunden sind, können sie diese um einiges flexibler bewegen. Zusätzlich sind die Unterkiefer nur durch elastische Knorpelpolster mit dem Schädel verbunden, was zusätzliche Flexibilität ermöglicht. Blauwale können ihren Unterkiefer bis zu 90! Grad weit öffnen, was erheblich dazu beiträgt, dass sie grosse Menge an Futter und Wasser aufs Mal aufnehmen können.

2.) Furchen
Alle Bartenwale verfügen über Furchen, die es ihnen ermöglichen, ihre Kehlen weiter auszudehnen. Doch Furchenwale besitzten sehr viele davon: Je nach Art können sie bis zu 100 Furchen haben, was es ihnen ermöglicht, ihre Kehle zu einem riesigen Ballon auszudehnen.

3.) Barten
Bartenwale haben keine Zähne, sondern, wie der Name bereits sagt, borstenförmige Barten, die von den Oberkiefern hängen. (Föten von Furchenwalen entwickeln noch rudimäntäre Zähne, die vor der Geburt wieder absorbiert werden. - Ein Überbleibsel von den gezahnten Vorfahren der heutigen Bartenwale).
Die Barten funktionieren wie ein Filter: Wenn der Wal ein Maulvoll Wasser mit Beute erwischt hat, schliesst er dieses bis zu den Barten. Mit seiner riesigen Zunge erzeugt er ein Vakuum und presst das Wasser durch die Furchen hinaus. Die Beute bleibt am struppigen Innern der Barten hängen und wird geschluckt.
4.) Faszinierendes Organ
Das Spannenste: Erst 2012 hat ein Forscherteam herausgefunden, dass zwischen dem flexibeln Unterkiefer der Furchenwale ein einzigartiges Sinnesorgan angebracht ist: Das glibberige Organ ist voller Nervenzellen, die mit einer noch vorhandenen Frontzahnpfanne verbunden sind. (Ja, Bartenwale hatten einmal Zähne, siehe Punkt 3!) Man vermutet, dass das Sinnesorgan auf die Kieferbewegung reagiert, wenn der Wal sein Maul öffnet und schliesst und wenn sich die Furchen durch den steigenden Wasserdruck biem Fressen ausdehnen.
Diese Anpassungen tragen dazu bei, dass Furchenwale auf unglaublich effiziente Weise riesige Mengen an Nahrung mit einem einzigen "Schluck" aufnehmen können.
Ein ausgewachsener Blauwal kann so bis zu 4 TONNEN KRILL PRO Tag fressen! En Guäta!
Buchtipp:
Nick Peyson, der bei der Entdeckung des einzigartigen Sinnesorgans mitwirkte schrieb ein Buch über die Paläontologie der Wale.
Quellen:








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