Scramble Competition bei Rundkopfdelfinen
- rooslidebora
- 12. Jan.
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Rundkopfdelfine (Grampus griseus), auch Risso-Delfine genannt, leben in komplexen Sozialstrukturen. Ihre helle Färbung entsteht überwiegend durch zahlreiche Narben, die sowohl auf intensive soziale Interaktionen mit Artgenossen als auch auf äußere Einflüsse zurückzuführen sind. Dazu zählen unter anderem Saugnapfspuren von Kalmaren sowie Bissverletzungen durch Zigarrenhaie.
Männliche Rundkopfdelfine bilden oft stabile Gruppen mit ähnlich alten Individuen, deren Bindungen über viele Jahre bestehen können. Einige Individuen formen so starke Verbindungen, dass sie ein Leben lang zusammen sind und sogar synchron zum Atmen an die Oberfläche kommen.

Weibliche Rundkopfdelfine sind ebenfalls sozial organisiert, ihre Gruppen sind jedoch meist weniger dauerhaft und besonders während der Aufzucht eines Jungtiers von Bedeutung. Da Rundkopfdelfine spezialisierte Tieftaucher sind, wurde beobachtet, dass Jungtiere während der Nahrungssuche der Mutter zeitweise von anderen Gruppenmitgliedern begleitet werden.

Die Sozialstrukturen der Rundkopfdelfine liefern wichtige Hinweise auf ihr Paarungsverhalten. Die Art lebt überwiegend im offenen Ozean, häufig in der Nähe von Kontinentalschelfen, und zeigt nur geringe Grössenunterschiede zwischen Männchen und Weibchen. Entsprechend kann die Konkurrenz um paarungsbereite Weibchen hoch sein.
Eine besonders intensive Form der Paarungskonkurrenz ist die sogenannte Scramble Competition. Dabei verfolgen und bedrängen mehrere Männchen ein paarungsbereites Weibchen über längere Zeiträume. Das Weibchen wird wiederholt von verschiedenen Männchen umgeben und zu Paarungen gedrängt, während es gleichzeitig versucht, einzelnen Individuen auszuweichen. In solchen Situationen kann es zu einer sehr hohen Anzahl von Paarungen innerhalb kurzer Zeit kommen. Einzelne Beobachtungen berichten von Fällen, in denen sich ein Weibchen mit zahlreichen Männchen vielfach gepaart hat. Der Fortpflanzungserfolg der Männchen hängt dabei vor allem von Ausdauer, körperlicher Leistungsfähigkeit und sozialer Koordination ab, während das Weibchen trotz des starken Bedrängens nicht vollständig kontrolliert wird.
Obwohl dieses Verhalten aus menschlicher Sicht hart wirken kann, stellt es aus evolutionärer Perspektive eine mögliche Strategie dar, die den Fortpflanzungserfolg der Art beeinflusst.
Gleichzeitig zeigen Rundkopfdelfine auch kooperatives Verhalten, etwa wenn erwachsene Tiere zeitweise Jungtiere begleiten, während deren Mütter auf Nahrungssuche sind. In einigen Fällen schliessen sich weibliche Rissos-Delfine männchlichen Gruppen an und bleiben mit ihrem Jungtier über längere Zeit in diesem Verband.

Besonders gut erforscht sind Rundkopfdelfine rund um die Insel Pico auf den Azoren, einem der weltweit wichtigsten Gebiete zur Beobachtung dieser Art.






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