Allonursing – Fremdsäugen bei Walen
- rooslidebora
- 1. Feb.
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Allonursing oder „Fremdsäugen“ bezeichnet das Saugen von Milch bei einer nicht-biologischen Mutter. Dieses Verhalten ist bei Säugetieren bekannt und tritt in verschiedenen Ausprägungen auf – von fürsorglichem Alloparenting (Fremdfürsorge) bis hin zu opportunistischem Milch-„Diebstahl“. Bei Walen finden sich interessante Beispiele dieses Verhaltens, die sich zwischen verschiedenen Arten stark unterscheiden.

Pottwale: Milch als Familiensache
Bei Pottwalen (Physeter macrocephalus) ist Allonursing fest in das soziale Leben eingebettet. Weibliche Pottwale leben in engen Familienverbänden, die oft aus Müttern, Tanten, Schwestern und sogar Großmüttern bestehen. Die Kälber wachsen also nicht nur mit ihrer eigenen Mutter auf, sondern werden von mehreren erwachsenen Weibchen betreut. Dazu gehört Babysitting, Schutz – und gelegentlich auch das Säugen fremder Kälber.
Ein zentraler ökologischer Faktor ist die Jagdstrategie der Art: Pottwalmütter müssen während der Laktationsphase regelmäßig lange und sehr tiefe Tauchgänge unternehmen, um ihre Beute (vor allem Kalmare) zu erreichen. Während dieser Tauchgänge können sie ihre Kälber nicht begleiten, da diese noch nicht in der Lage sind, solche Tiefen zu erreichen oder längere Tauchzeiten auszuhalten. Die Kälber verbleiben daher an der Oberfläche und werden in dieser Zeit von anderen Weibchen der sozialen Einheit betreut.
Aus evolutionärer Sicht lohnt sich diese Fürsorge, weil sie indirekt den Erfolg der eigenen Gene steigert. Besonders bemerkenswert ist, dass auch ältere Weibchen, etwa Grossmütter, eine aktive Rolle in der Betreuung der Jungen übernehmen. Bei Pottwalen ist Fremdsäugen also Ausdruck von Kooperation und starkem sozialen Zusammenhalt.

Südliche Glattwale: Wenn Milch zur Beute wird
Bei den Südlichen Glattwalen (Eubalaena australis) zeigt sich ein deutlich anderes Muster. Beobachtungen deuten darauf hin, dass Kälber gelegentlich bei nicht-biologischen Müttern saugen, ohne dass dieses Verhalten Teil einer kooperativen Fürsorgestruktur ist. Die betroffenen Weibchen reagieren häufig ausweichend oder versuchen, das Fremdsäugen zu verhindern, was darauf hinweist, dass keine aktive Unterstützung vorliegt.

Ein entscheidender Unterschied liegt in der energetischen Situation der Mütter. Südliche Glattwale sind sogenannte capital breeders: Während der Laktationszeit nehmen sie kaum Nahrung auf und versorgen ihre Kälber ausschließlich aus zuvor angelegten Energiereserven. Die Abgabe von Milch an fremde Kälber stellt daher potenziell einen direkten Kostenfaktor dar. Allonursing wird in diesem Fall eher als opportunistisches Verhalten der Kälber interpretiert, das deren individuelle Energieaufnahme erhöht, ohne für die fremde Mutter einen erkennbaren Vorteil zu bieten.

Die Azoren sind einer der besten Orte der Welt um Pottwale zu beobachten:
Quellen:




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